Alain Ehrenberg: Das Unbehagen in der GesellschaftEhrenberg A.
Das Unbehagen in der Gesellschaft
Suhrkamp, Berlin 2011

Der französische Soziologe Alain Ehrenberg beschreibt die Unterschiede in den Entwicklungen der amerikanischen und der französischen Psychoanalyse und den Wandel der psychischen Krankheitsbilder. Von den Konflikten der Ära des Sigmund Freud zu den Depressionen im Neoliberalismus: Diese Bestandsaufnahme unseres Zeitgeistes könnte therapeutische Ansätze modifizieren - auch Ihre!
Dr. Wilfried Tschiggerl



VeitIVeit Iris
Praxis der Psychosomatischen Grundversorgung: Die Beziehung zwischen Arzt und Patient
Kohlhammer-Verlag, Stuttgart 2010

Dr. med. Iris Veit ist als Allgemeinmedizinerin und Psychotherapeutin in Herne (Westfalen) tätig. Sie besitzt langjährige Lehrerfahrung und ist Leiterin der curriculären Weiterbildung „Psychosomatische Grundversorgung“ der Ärztekammer Westfalen Lippe.
Die Beziehungsgestaltung gehört zu den Kernkompetenzen in der Allgemeinmedizin: Dieses Buch stellt die Arzt-Patient-Beziehung und eine Systematik dysfunktionaler Beziehungsmuster ins Zentrum und dient als Kompass, die unterschiedlichen Beziehungsmuster zu erkennen und zu nutzen. Es wendet sich an alle, die sich für ein Verstehen des Anderen, ihres Patienten und ihres Teams interessieren, ihre kommunikative und emotionale Kompetenz verbessern und mehr Zufriedenheit für sich und ihre Patienten schaffen wollen. Das Besondere ist seine integrative Sicht und seine Praxisbezogenheit, die sich in alltagstauglichen, in der Arztpraxis bereits erprobten und bewährten Interventionshilfen zeigt. Das Werk ist das Begleitbuch zur curriculären Weiterbildung „Psychosomatische Grundversorgung“ (Richtlinien der deutschen Bundesärztekammer).
Überraschung: Im ersten Teil wird den neuesten neuroanatomische Grundlagen relativ viel Raum eingeräumt, was durchaus spannend zu lesen ist. Im zweiten Teil wird auf Krankheitsbilder bzw. Krankheitsverarbeitungen eingegangen. Alles ist praktisch aufgearbeitet, gegliedert und praxistauglich. So werden nicht trocken und lehrbuchmäßig „Krankheiten“ abgearbeitet. Immer steht „Beziehung“ im Mittelpunkt: Die Kapitel heißen z.B. „Der ängstliche Beziehungsmodus“, oder „Der depressive Beziehungsmodus“. Und besonders gut: Iris Veit baut wiederholt Fallgeschichten ein, die man mit Geschichten aus der eigenen Praxis vergleicht.
Fazit: aus der allgemeinmedizinischen Praxis - für das allgemeinmedizinische Tun. Empfehlenswert.
Dr. Bernhard Panhofer

McDaniel-Hepworth-DohertySusan H. McDaniel, Jeri Hepworth, William J. Doherty
Familientherapie in der Medizin
Carl-Auer-Systeme, Heidelberg ISBN-10: 3896700243

Ein spannend zu lesendes Buch, das die Schnittstellen zwischen biologischen, psychologischen und sozialen Prozessen beschreibt. Lebendig, beschriebene Falldarstellungen regen den Leser an, diese mit Patientengeschichten aus der eigenen Praxis zu verknüpfen. Dadurch wird erlebbar, wie ein systemischer bio-psycho-sozialer Familienansatz ein Kooperationsmodell zwischen im medizinischen Bereich Tätigen und Patienten mit ihren Familien  ermöglicht.
Der Beschreibung am Klappentext "eine ideale Anregung für alle, die Familien mit Gesundheitsproblemen in der medizinischen Grundversorgung behandeln, betreuen oder pflegen" kann ich nur zustimmen! Ein Buch, das ich immer wieder gerne in die Hand nehme.
Dr. Barbara Hasiba